Hochzeit im Trabiolet
Marten Helmdach

  
Der Trabant, gehasst und geliebt, technisch und auf der Straße überholt und vom Grundgedanken trotzdem fortschrittlich (selbsttragende Karosserie mit leichter und ewig haltbarer Verkleidung / A-Klasse, Smart und Beetle wurden hier abgekupfert) begleitet mich nun schon über 10 Jahre. Er war ein Wagen für das Volk, erbte noch zur Vorwendezeit die Technik von Volkswagen und wurde so flott und umweltfreundlich. Gerade diese Modellvariante mit der "kapitalistischen Antriebseinheit", die als Mumie mit Herzschrittmacher verschrien ist, hatte es mir von Anfang an angetan. Das Rächermodell des Trabant, nur ca. 30.000 mal gebaut, erregte schon nach den ersten Testberichten mein Interesse. Als Zivi 1992 verdiente ich mein erstes Geld und hatte im April 1993 auch nichts Besseres damit zutun, als mir sofort o.g. Modell zu suchen. Fast alle in meiner Umgebung erklärten mich für bekloppt, damals 6000 DM für einen Trabant auszugeben, aber es hat sich gelohnt. Mein erstes Auto hieß Trabant 1.1 Universal. Er war togaweiß und musste aus der britisch/amerikanischen Besatzungszone aus der Nähe von Nürnberg reimportiert werden. Da er erst im Dezember 1991 erstzugelassen wurde und nur 9000km auf der Uhr hatte, konnte man noch die Luft der Fabrik im Moterraum inhalieren. Leider hatte man im Feindesland die gesamte rechte Seite mit dem Schlüssel bearbeitet und die Lackierung zerstört, aber als Student flickt man so was aus und die Schönheit eines Trabant ist durch kleine Äußerlichkeiten eh nicht zu beeinträchtigen. Während meines gesamten Studiums, mehrerer Umzüge, insgesamt ca. 100000 km, Autobahnfahrten mit bis zu 150km/h und unzähliger Überholmanöver (gefolgt von verblüfften Gesichter bei Corsa und Co.) bereitete mir dieses Fahrzeug viel Freude, war sehr zuverlässig und steht heute noch in meinen Besitz. Als Youngtimer trotzdem schon Klassiker. Das schöne daran ist, er kostet gut gepflegt fast noch das selbe wie damals. Mein größter Traum war jedoch der Genuss von Frischluft. Die Fans werden jetzt sagen, klar man Kübel, aber wer erkennt von hinten beim Kübel die elegante Linie eines Trabant? Der Umbau einer Limousine, so wie es die Firma Ostermann vorschlägt, erhält das tolle Design und erschien mir als die bessere Wahl. Im Jahr 2002 habe ich also mit meinem ersten im Beruf verdienten Geld wieder nichts besseres vor, als in einen Trabant 1.1 zu investieren, diesmal aber eine Limo. Dann erflogte der Umbau zum Cabrio in 2003. Auf den Bildern kann man sehen, das togaweiß eine schöne und brauchbare Farbe ist (zum Beispiel zum Heiraten). Der Wagen ist auf den klassischen Auftritt des 601 zurückgebaut, da dieses Design eigentlich durch nichts zu verbessern ist. Ich kann nur sagen, frische Luft, gute bis sehr gute Fahrleistungen, geringe Unterhaltskosten und solide Technik sind die Grundlage für viel Spaß beim Fahren. Understatment ist die schönste Art des Reisens, darum Trabant 1.1 als offene Variante: Trabiolet.